Mythos Patentanwalt

Justitia, Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Patentanwalt ist der langweiligste Job der Welt? Von wegen! Vielleicht kann ich dazu beitragen, diesen Mythos aufzuklären.

Patentanwälte sind Strategen. Das Patentwesen ist ungemein umfangreich. Hier geht es nicht einfach „nur“ um das Patentgesetz. Auch das Marken- und Designrecht bis hin zum Urheberrecht spielen eine Rolle. Es gibt viele Möglichkeiten, ein Produkt, eine Marke, oder sogar eine eigene Farbe oder Melodie zu schützen. Aber genauso viele Fallstricke überspannen auch den Weg, die es zu umschiffen gilt. Taktik und Kalkül sind gefragt.

Gespräch mit einer Patentanwaltsanwärterin

Letzte Woche hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Patentanwaltsanwärterin.

Sie ist Referendarin bei Novartis in Basel und durchläuft die Ausbildung zur Patentanwältin „on the job“. Dabei arbeitet sie erfahrenen Anwälten zu, um praktische Fachkenntnisse zu erlangen. Im Selbststudium oder in externen Workshops erfährt sie die theoretischen patentrechtlichen Grundlagen. Nach drei Jahren kann sie ihre Zulassungsprüfung zur Patentanwältin in der Schweiz ablegen. In Deutschland ist es etwas komplizierter. Mehr dazu später.

Doch so easy wie das klingt, ist es natürlich nicht. Voraussetzung für diese Ausbildung ist ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches Universitätsstudium. Nun kennt man sich aber noch lange nicht im Rechtswesen aus. Diese Grundlagen innerhalb von 3 Jahren neben der Praxis zu lernen erfordert viel Biss, Ausdauer und Fleiß.

Wissenschaft und Rechtswesen in einer Person?

Viele Wissenschaftler aus meinem beruflichen Umfeld rümpfen buchstäblich die Nase, wenn sie mit dem Thema Patentwesen konfrontiert werden. Sie finden es langweilig und einengend. Wie kann es nun Menschen geben, die die Vorlieben eines Wissenschaftlers und die eines Juristen in sich vereinen?

Aus meiner Ausbildung im Verwaltungsrecht weiß ich, dass es diese Menschen gibt. Vielleicht bin ich selbst so ein seltener Fall. Interessant ist, dass sich die Art des Denkens im Rechtswesen und in der Wissenschaft ähneln. Beiden ist gemein, dass stets ein zu lösender Sachverhalt oder ein Problem zugrunde liegt. Die Wissenschaft bietet mit ihren Naturgesetzen einen Rahmen für die Lösung des Problems, die Juristen bewegen sich im Rahmen der Rechtsprechung. Dann gilt es, methodisch und planvoll vorzugehen. Et voilá, hier liegt meiner Meinung nach die größte Gemeinsamkeit der doch so unterschiedlichen Berufsbilder.

Muss man denn gleich Anwalt werden?

Ein sehr interessanter Punkt in dem Gespräch mit der Kollegin aus Basel war, dass es im Bereich des Patentwesens nicht nur den Beruf des Anwaltes gibt. Auch Patentanwaltsgehilfen sind sehr gefragt. Hierzu ist kein Studium nötig, da es sich dabei um einen Ausbildungsberuf handelt. Spannend für mich ist das Tätigkeitsfeld des Patentingenieurs.

Ein Patentingenieur ist das Bindeglied zwischen Patentabteilung und Innovationsmanagement in einem Unternehmen. Er ist DER Stratege. Der Patentingenieur hat eher beratende Funktionen. Er prüft durch Patentrecherchen den neuesten Technikstand der Konkurrenz, berät zur Schutzfähigkeit der eigenen technischen Entwicklungen und ist wesentlich an der Entwicklung einer langfristigen Patentstrategie seines Unternehmens beteiligt. Natürlich darf er keine Rechtsvertretung vor Gericht vornehmen, wie der Patentanwalt. Klingt doch vielfältig und spannend, oder?

Patentanwalt werden in Deutschland: Patentassessor

Um in Deutschland Patentanwalt zu werden, musst du ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium absolviert haben und außerdem ein Jahr Berufserfahrung im technischen Bereich mitbringen. Anschließend folgt eine dreijährige Ausbildung in der Kanzlei eines Patentanwalts sowie beim DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) und beim Bundespatentgericht. Parallel durchläufst du das ausbildungsbegleitende Studium „Recht für Patentanwälte/Patentanwältinnen“ an der FernUniversität Hagen.

Das DPMA organisiert die Patentanwaltsausbildung und -prüfung. Nach bestandener Prüfung erhältst du den Titel Patentassessor und kannst bei der Patentanwaltskammer deine Zulassung zum freiberuflichen Patentanwalt beantragen.

Mein Fazit

Ich habe mich in den letzten Wochen auch im Rahmen meines Studiums mit den unterschiedlichsten Menschen über den Beruf des Patentanwaltes unterhalten. Es ist wie mit den Rosinen im Christstollen, du liebst sie oder du hasst sie. Ich denke, so verhält es sich auch mit dem Patentwesen. Man ist der Typ dafür, oder eben nicht.

Wie denkst du über diesen Beruf? Würde dir die Juristerei Spaß machen? Ich freue mich auf dein Feedback.

Bleib neugierig!

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